„Ein Schrei ist mehr als ein Schrei“
Warum ist der Kihap im Hapkido wichtig?
Beim gestrigen Training haben wir den Kihap geübt und mir ist aufgefallen, dass einige von uns damit erhebliche Probleme haben. Vielleicht helfen ein paar grundlegende Erläuterungen.
Wir sprechen von Kiai, Kihap, Kampfschrei, Atemtechnik – und meinen den lauten, konzentrierten Schrei, mit dem wir eine Technik begleiten.
Die Koreanische Bezeichnung Kihap besteht aus den uns bekannten Silben Ki und Hap. Das sind die gleichen Silben, die wir schon aus dem Wort Hap Ki Do kennen. Ki steht dabei für Energie und Hap für Harmonie.
Das sagt uns, das der Kihap eine körperliche und eine geistig-mentale Komponente besitzt.
Auf der rein körperlichen Ebene unterstützt der Schrei das Freisetzen von Kraft und Energie, also Ki. Auch andere Sportler wie Speerwerfer, Hammerwerfer und Tennisspieler setzen den Schrei als Technik-Verstärker ein.
Auf der mentalen Ebene hilft uns der Schrei,
Körper, Geist und Energie zu synchronisieren. Das ist das Element Hap, die Einheit von Körper und Geist.
Es ist wie beim Bogenschiessen: im Moment der Ausatmung löst sich der Pfeil.
Beim Kihap ist alle Aufmerksamkeit total auf den einen Punkt gerichtet. Hier geht es um das Hapkido-Element Yu. Wir sammeln uns und bringen die Energie zum Fließen. Volle Entschlossenheit, volle Konzentration! In diesem Augenblick gibt es kein Vorher und kein Nachher.
Das kann man schön beim Bruchtest beobachten.
Die gesammelte Energie soll zu Hand oder zum Fuß fließen.
Zwischen der Idee und der Ausführung liegen beim Kihap allerdings Welten.
Als Erstes müssen wir unsere Scheu zu schreien ablegen. Das fällt einigen leicht und für andere ist es schwer.
Natürlich geht es nicht um Lautstärke oder Selbstdarstellung. Der Kihap ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Verbesserung unserer Technik.
Es braucht Mut, Selbstvertrauen und Übung bis man frei und ungehemmt schreien kann und er ist wirklich ein gutes Übungsmittel.
Technisch erzeugen wir den Kihap, den Schrei nicht im Kehlkopf, sondern durch schnelles, kraftvolles Ausatmen aus der Tiefe.
Der Kendo-Meister Taizen Deshimaru-Roshi gibt uns den Rat: Beobachtet eine Katze beim Miauen, oder einen Löwen beim Brüllen- das ist ein Kihap.
Betrachten wir die Atemtechnik nochmal mit Blick auf die Prinzipien des Hapkido, also Won-Yu-Hwa
(Kreis-Fluss-Harmonie/Einwirkung),
so geht es bei der Atemtechnik auch um ein Element von
Hwa, die Einwirkung.
Erschrecken, Überraschen, Verunsichern, Verwirren, Ablenken , Verängstigen.
Das ist ein weiteres Ziel der Atemtechnik.
Ein guter Kihap kann also schon im Vorfeld viel bewirken.
All das zeigt seine Wichtigkeit und seinen vielfältigen Nutzen im Hapkido.
Los geht’s! Viel Erfolg beim nächsten Kihap!
Axel